Klogeschichten

Seit ewigen Zeiten (oder besser gesagt, seit vier Jahren und 10 Monaten) wird in unserem Hause nahezu jedes Geschäft bei offener Klotür erledigt.

Morgens im Bad ist gar nicht daran zu denken, sich mal ruhig, vielleicht wie früher noch mit Handy oder einer Zeitschrift bewaffnet, aufs stille Örtchen zurückzuziehen. Still ist es hier schon mal gar nicht, denn ständig redet jemand mit mir. Es wird um mich herum gespielt und erzählt, ich muss Reißverschlüsse und Knöpfe öffnen und schließen, Haare kämmen und Zähne putzen, Barbies anziehen und manchmal auch ein gefallenes Kind auf meinem Schoß trösten – während (!) ich da sitze. Meine Kinder stören sich daran nicht im Geringsten. Generell wird gefordert, dass ich mich beeile, sodass ich die Erleichterung unter Zeitdruck nahezu perfektioniert habe. Soll ja auch ungesund sein, so lange dazusitzen.

Auch auf dem Gästeklo unten muss ich leider im Normalfall die Tür offen lassen, denn es ist nicht genug Platz für die Kinder und mich darin und gleichzeitig muss ich einige Dinge dringend im Blick behalten – besonders jetzt mit Baby. Schließe ich die Tür einmal, so kann ich davon ausgehen, dass ich nach 10 Sekunden von lautem Geschrei sofort wieder herausgetrieben werde oder dass jemand wie wild anklopft, weil das Haargummi der Puppe genau JETZT entfernt werden muss. Also habe ich mich an die offene Tür gewöhnt und verstehe auch meine Oma besser, die bis ins hohe Alter nichts dabei fand, bei offener Tür vom Örtchen aus mit allen anderen zu erzählen. Allerdings muss ich mich immer, wenn Besuch da ist, dringend daran erinnern, die Tür zu schließen. Nicht auszudenken, wie peinlich das sonst enden könnte.

Sitzt mein großes Kind auf dem Klo, so werde ich lautstark über allerlei Dinge informiert, die ich eigentlich gar nicht so genau wissen möchte. Vom Gästeklo aus kann  man wunderbar in die Küche schauen und bei offener Tür mit uns schwatzen – vorzugsweise während des Essens, denn da muss meistens erstmal was raus, bevor was rein kann. Klar. Über die Geräusche und Gerüche rege ich mich schon lange nicht mehr aus und auch das Abwischen zwischendurch nimmt mir nicht den Appetit. Trotzdem fand ich seit einiger Zeit, so langsam könne zumindest das große Kind damit beginnen, die Tür zu schließen, denn oft nervte es mich auch, wenn ich ständig vor der offenen Klotür sitzen und Geschichten lauschen, Lieder singen oder den Toiletteninhalt beurteilen sollte („Boah, Mama, das war eine Riesenwurst!“). Ich wollte einfach nicht immer und ständig überall miteinbezogen werden, zumal sie ja eigentlich auch keine Hilfe mehr benötigt.

Wie gut, dass sie nun eine kleine Schwester hat. Diese kann sich seit kurzem überall hochziehen und krabbelt immer dorthin, wo man sie nicht gebrauchen kann. Babygesetz! Selbige krabbelte jedenfalls heute, so wie sie es seit einiger Zeit auch bei mir schon tut sehr aufdringlich und neugierig ihrer großen Schwester hinterher. Kaum hatte diese die Hose runtergezogen, so zog sich das Würmchen an dieser hoch und hielt sich an der Klobrille fest. Mit Babys zu reden hat in diesem Falle wenig Sinn, denn leider versteht man mit 7 Monaten noch nicht, dass man hier vielleicht eine Grenze überschreitet. Die Kleine begann dann, um die große herumzuwandern und versuchte anschließend, hinter ihrer Schwester mit den Händen in die Toilette zu gelangen. Ist ja auch tierisch spannend, wenn man so gar keine Ahnung davon hat, wozu dieses große weiße Teil dient, auf dem die alle immer sitzen. Das muss man ja mal eingehend untersuchen.

Jedenfalls ging sie ihrer großen Schwester dabei dermaßen auf die Nerven, dass nach dem dritten Entfernen des Babys aus der Toilette meinerseits plötzlich sang- und klanglos die Klotür geschlossen wurde. Das große Kind erledigte sein Geschäft, putzte sich ab, wusch die Hände, spülte und ging dann spielen.

Sie werden so schnell groß ;-).

 

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