Kinderkopfchaos

Immer, wenn sie im Bett liegt, muss die kleine große Tochter nachdenken. Man kann beinahe sehen, wie die Zahnrädchen sich drehen und die Gedanken sich in ihrem Köpfchen in alle Richtungen bewegen, übereinanderhüpfen, einander verdrängen und sehr, sehr viel Raum einnehmen und sie zu unzähligen Fragen, Ängsten und Fantasien anregen. Sie drehen sich um Gott und die Welt, um Freunde und Kindergartenerlebnisse, um anstehende Ereignisse, vergangene Erfahrungen, weit in der Ferne liegende Feiertage und um die Entstehung des Universums, der Tiere und Menschen und der Schokolade und der Frage, wieso aus einem Wasserrohr Wasser kommt.

Um ihr das Einschlafen zu erleichtern und mir ein wenig meines wohlverdienten Feierabends zurückzuholen, den ich nicht mit der Beantwortung von Kinderfragen verbringen wollte, (und nach dem missglückten Versuch, alle Gedanken und Fragen für sie aufzuschreiben – ich hätte wohl die ganze Nacht weitergeschrieben) habe ich ihr vor einer Weile beigebracht, ihre nicht enden wollende Gedankenflut gedanklich in wunderschöne pink-rosa-lilafarbene und natürlich glitzernde Kisten zu packen und diese zu verschließen, ihnen eine gute Nacht zu wünschen und mitzuteilen, dass sie morgen wieder über sie nachdenken wird. Sie tat es, und: tadaaa! Es klappte und das Kind schlief ein. Für eine Weile funktionierte dieser Trick und ich kam mir schrecklich weise und pädagogisch erfahren vor.

Doch es kam, wie es kommen musste:

„Mama, ich kann nicht schlafen. Meine Kisten sind voll.“

„Dann stell dir doch neue Kisten vor.“

„Geht nicht, da ist kein Platz.“

„Doch, sicher – stell dir doch Regale vor, auf denen obendrauf noch Platz ist.“

„Nein, da ist kein Platz. Alle Regale sind voll.“

„Dann mach den Raum doch größer.“

„Der ist schon riesengroß.“

„Dann…ähm…stell dir doch einen weiteren Raum daneben vor, der noch leer ist.“

„Nein, Mama, daneben ist kein Raum.“

„Ähm…“ Okay, an dieser Stelle musste ich passen. Wenn die Fantasie nicht mitspielt, hat man keine Chance.

Glücklicherweise hatte das Kind dann selbst die rettende Strategie parat: „Weißt du was, Mama, vielleicht kannst du ja die Gedanken für mich in eine Kiste packen?“

Spitzen Idee! Hocherfreut über diese clevere Lösung stimmte ich zu und packte bereitwillig die wirren Gedanken meiner kleinen Vorschülerin in meine eigenen Kisten. Und was soll ich sagen: Sie schlief wieder. Yay! Ein Erfolg auf ganzer Linie…

Wobei…wie, um alles in der Welt sind eigentlich die Hasen auf die Erde gekommen? Und warum schmeckt Schokolade gut? Haben Schnaken Angst vor uns? Wieso erscheinen auf dem Computer Buchstaben, wenn ich tippe? Wer hat den Glitzer erfunden? …

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, irgendetwas ist da schiefgelaufen…

Wortneuschöpfung des Tages

Das große Kind erzählt abends im Bett eine Geschichte. „…und dann kommen viele Liebewichte und bekämpfen den Drachen um die Prinzessin zu retten.“ Hab ich da richtig gehört? Liebewichte? „Ja, also die sind halt lieb, weil die ja den Drachen bekämpfen.“ Ok, verstehe, das Gegenteil von Bösewichte also. Mein Wortschatz erweitert sich mit jedem Tag.